Der Ausfluss, den Frauen oft als normal ansehen und dem sie deshalb keine Beachtung schenken, kann in Wirklichkeit große Probleme ankündigen. Der Ausfluss, den die Scheide meist zum Schutz ihrer Flora bildet, gibt in der Regel zwar keinen Anlass zur Sorge, kann aber auch von einer Art sein, die eine Infektion ankündigt.
Doz. Dr. Taner Usta, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, der sagt, dass ungewöhnlicher Ausfluss, der gelb oder grün sein und von einer Pilz- oder bakteriellen Infektion herrühren kann, ernst genommen werden muss, erläuterte die häufigen Fragen.
WELCHE ARTEN VON AUSFLUSS GIBT ES UND TRITT ER BEI JEDER FRAU AUF?
Der physiologische Ausfluss, der sich durch Farb- und Geruchlosigkeit leicht vom krankhaften Ausfluss unterscheiden lässt, verursacht auch bei größerer Menge keinerlei störende Zustände. Dieser Ausfluss, der keine Symptome wie Juckreiz oder Brennen hervorruft, hält den Bereich feucht und bereitet die Grundlage für einen gesunden Geschlechtsverkehr.
Unsere Antwort lautet leider ja. Während jedoch eine gewisse Feuchtigkeit, die das normale Leben nicht beeinträchtigt, für Frauen kein wesentliches Problem darstellt, beeinträchtigt starker Ausfluss den Alltag, auch wenn er nicht krankhaft ist. Krankhafter Ausfluss kann, wie der Name schon sagt, im Gegensatz zum physiologischen Ausfluss auf ernst zu nehmende Erkrankungen hinweisen. Bei diesem Ausfluss, der als klinisches Anzeichen einer Kolpitis (Entzündung der Scheide) oder einer Zervizitis (Entzündung des Gebärmutterhalses) auftreten kann, muss unbedingt ärztlicher Rat eingeholt werden. Ausfluss, der meist einen unangenehmen Geruch hat, dickflüssig, gelb-grün oder wie geronnene Milch ist, ist krankhaft und erfordert eine Behandlung.
WAS KANN MAN ZUR VORBEUGUNG TUN UND WIE WIRD ER BEHANDELT?
Zunächst sollte auf die Intimhygiene geachtet werden. Dabei sollte die Scheide nicht innen gewaschen und es sollten keine Kosmetika verwendet werden, die den pH-Wert des Bereichs verändern. Produkte wie Intimsprays, Parfüm oder Cremes sowie parfümierte Binden oder Tampons sollten keinesfalls gewählt werden.
Es sollte Baumwollunterwäsche getragen werden; sehr enge Unterwäsche und ein Übereinanderziehen von Kleidung, das die Belüftung verhindert, werden nicht empfohlen. Die Unterwäsche täglich zu wechseln, nicht in nasser Badekleidung zu sitzen und auf die allgemeine Toilettenhygiene zu achten gehören zu den Maßnahmen, die zum Schutz vor Ausfluss ergriffen werden sollten.
Alle sechs Monate (spätestens einmal im Jahr) eine frauenärztliche Untersuchung und regelmäßig einen Abstrich durchführen zu lassen, ist für die Früherkennung einer möglichen Erkrankung sehr wichtig.
Die Behandlung des Ausflusses beginnt zunächst mit einer gynäkologischen Untersuchung. Danach werden Farbe, Geruch, Beschaffenheit und Menge des Ausflusses erfasst, seine Art bestimmt und entsprechend behandelt. Bei manchen Formen des Ausflusses ist die Entnahme einer Kultur aus Scheide und Gebärmutterhals sehr wichtig. Je nach Erreger wird eine passende antimikrobielle Behandlung durchgeführt. Zusätzlich können örtliche Behandlungen zur Verringerung von Schmerzen und Schwellung ergänzt werden.
WAS GESCHIEHT, WENN DER AUSFLUSS NICHT BEHANDELT WIRD?
Wird krankhafter Ausfluss nicht behandelt, ist eine der wichtigsten Folgen das Risiko, dass die Infektion aus dem unteren Genitalsystem (der Scheide) in das obere Genitalsystem (Gebärmutter, Eileiter und Eierstöcke) übergeht und sich eine entzündliche Beckenerkrankung sowie ein Abszess entwickeln. Dieser Zustand kann eine stationäre Aufnahme mit intravenöser Antibiotikabehandlung und bei Abszessen auch eine operative Behandlung erforderlich machen. Selbst wenn keine Operation nötig ist, führt ein bleibender Schaden an den Eileitern zu einem erneuten Infektionsrisiko in den Eileitern und besonders zu einem Anstieg des Risikos einer Eileiterschwangerschaft.
