Ungewollter Harnverlust ist eine Erkrankung, die das gesellschaftliche Leben unmittelbar beeinträchtigt, besonders bei Frauen häufig vorkommt und beachtet werden muss.
Doz. Dr. Taner Usta, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, betonte, dass der ungewollte Harnverlust kein Schicksal ist, das hingenommen werden muss, und gab wichtige Informationen zu den häufigen Fragen und zur Lösung.
Besonders bei Frauen sehr verbreitet
Dass das Problem des ungewollten Harnverlusts unter Frauen sehr verbreitet ist, ist eine bekannte Tatsache. Dieses Problem wird jedoch meist verborgen. Bei 70 von je 100 Frauen mit ungewolltem Harnverlust kommt dieser Zustand erst zutage, wenn sie aus anderen Gründen zur Ärztin oder zum Arzt gehen. Da der ungewollte Harnverlust Probleme wie Depression, Verlust des Selbstvertrauens, sexuelle Unlust oder Angst vor Sexualität mit sich bringen kann, ist es eine Erkrankung, die unbedingt rasch behandelt werden muss.
An erster Stelle der Faktoren, die zu ungewolltem Harnverlust führen, steht Übergewicht. Denn mit Übergewicht steigt der Druck im Bauchraum, was die Harnwege gefährdet. Regelmäßige Beckenbodenübungen zur Stärkung der Muskulatur können hier hilfreich sein. Die Kräftigung der Muskulatur wirkt sich positiv auf das Organ aus, das den Urin hält. Während schwierige und traumatische Geburten das Risiko eines ungewollten Harnverlusts erhöhen, haben Kaiserschnitt- und vaginale Geburten keinen wesentlichen Einfluss auf dieses Problem. Viele Geburten, eine Geburt mit Eingriffen und eine länger als normal dauernde Geburt können ungewolltem Harnverlust jedoch Vorschub leisten.
Welche Behandlungsverfahren gibt es bei ungewolltem Harnverlust?
Die Behandlungen des ungewollten Harnverlusts sind die vorbeugende Behandlung, die medikamentöse Behandlung und der operative Eingriff. Die Ursache des Problems ist für die Wahl des Verfahrens sehr bestimmend. Besteht der ungewollte Harnverlust wegen Ursachen wie einer Schwäche der Bänder, die die Blase halten, Blasentumoren oder einer Gebärmuttersenkung, kann ein operativer Eingriff nötig sein. Der durchgeführte Eingriff ist jedoch recht einfach und ermöglicht es der Betroffenen, innerhalb eines Tages in ihr normales Leben zurückzukehren. Besonders heute, da sich die robotische Chirurgie in der Medizin zunehmend verbreitet, werden auch Operationen bei ungewolltem Harnverlust sehr erfolgreich mit der robotischen Chirurgie durchgeführt. Bei mit robotischer Chirurgie durchgeführten Eingriffen sind die Ergebnisse ausgesprochen erfreulich.
Bei den nicht operativen Behandlungen des ungewollten Harnverlusts wird angestrebt, das Problem mit Übungen für die Beckenmuskulatur zu beheben. Mit Übungen, die je nach körperlichem Zustand der Betroffenen bis zu 10 Wochen regelmäßig fortgeführt werden, lässt sich das Problem lösen. Tritt der ungewollte Harnverlust während der Schwangerschaft auf, wird für die Entscheidung über die Behandlung die Geburt abgewartet. Da der in der Schwangerschaft auftretende ungewollte Harnverlust meist vorübergehend ist, ist die Beobachtung dieses Verlaufs für die richtige Behandlungsentscheidung wichtig.
